Kristallwand
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Die Kristallwand stand schon seit vielen Jahren auf meiner Liste. Ein 3300 m hoher Berg mitten im Nationalpark Hohe Tauern, am Rande des größten Eisfeldes der Ostalpen – mit eisfreiem Zustieg…… wer kann...
Die Kristallwand stand schon seit vielen Jahren auf meiner Liste. Ein 3300 m hoher Berg mitten im Nationalpark Hohe Tauern, am Rande des größten Eisfeldes der Ostalpen – mit eisfreiem Zustieg…… wer kann da schon widerstehen? Im Jahre 2018 war es endlich soweit.
Die Beschreibung der Tour hier beginnt auf der Badener Hütte. Der Zustieg zur Badener Hütte ist weit und sollte ab Parkplatz Felbertauern Bundesstraße mit circa 6 h einkalkuliert werden. Von circa 1100 m Seehöhe auf 2608 m zur Badener Hütte ist eine ganz schön fordernde Tour, welche aber die ganze Schönheit des Nationalparks als Belohnung hat.
Der Aufstieg zur Badener Hütte wird in mehreren Tourenbeschreibungen als eine der längsten Hüttenzustiege der Ostalpen bezeichnet. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ca 13 km und 1500 Höhenmeter sind vom Parkplatz nahe der Felbertauern Passstraße zur Badener Hütte zu überwinden, und wer das in Angriff nimmt, sollte seine Leistungsfähigkeit genau kennen. Bitte schaut euch die Beschreibung des Zustieges auf der website der Badener Hütte an, oder in einer der renommierten Publikationen. Verlasst euch bitte nicht auf irgendwelche Internet Einträge. Es gibt tatsächlich Sportler, die sind so gut in Form, dass sie es in circa 3 h vom Parkplatz an der Felbertauern Passstraße zur Badener Hütte schaffen. Das sind tolle vereinzelte Spitzenleistungen, welche nicht für den durchschnittlich trainierten Bergsteiger gelten. Vorsicht und eine Warnung bitte auch an alle unsere Freunde aus dem Flachland. Wir Mattinger (=Einwohner von Matrei in Osttirol) leben das ganze Jahr auf deutlich über 1000 m Seehöhe und sind entsprechend akklimatisiert. Wer aber normalerweise auf ein paar Metern über Meeresniveau lebt, sollte sich das nochmals gut mit der Akklimatisierung überlegen, eventuell einen kompetenten Facharzt davor aufsuchen bzw sich alternative Zustiege in Etappen zur Badener Hütte überlegen. Jedes sterben bei uns Touristen an Herzinfarkten auf den Wanderwegen, weil sie sich zu viel zumuten.
Noch ein Hinweis: nach der Überwindung des ersten Steilanstieges von Gruben in das Frossnitztal, wenn die ersten Almhäuser sichtbar werden, gabelt sich die Almstrasse. Es ist eine unscheinbare Weggabelung, aber eine mit weitreichenden Folgen. Es sind zwar die gelben Hinweisschilder genau an der Weggabelung errichtet, soweit also alles gut, aber der verblüffte Wandersmann wird lesen, dass er sowohl nach rechts als auch nach links zur Badener Hütte gelangt. Was nun? Die Almstraße nach rechts schaut eindeutig attraktiver aus als die linke Abzweigung, und zudem führt die rechte Weggabelung eigentlich in gerader Linie weiter. Die Versuchung ist also groß, einfach die rechte Seite der Weggabelung zu wählen und weiter geradeaus zu gehen. Ein schwerer Fehler. Wer hier nicht seine Hausaufgaben erledigt hat und die Wege genau vorab auf der Karte studiert hat, oder etwa gar keine Wanderkarte dabei hat, kann leicht mindestens 2 – 3 Stunden zur ohnehin schon satten Aufstiegszeit zur Badener Hütte dazu aufgebrummt bekommen. Rechts geht es nämlich steil hinauf in einem weiten Bogen über die alten Knappenhäuser zur Badener Hütte.
Und links, ja, das ist der eigentliche direkte Weg, der wesentlich weniger Höhenmeter und weniger Kilometer zur Badener Hütte benötigt. Also, wenn ihr an dieser Weggabelung einen Bock schießt, so werden aus den 13 km/1500 Höhenmetern nämlich circa 18 km / 1800 Höhenmetern Aufstieg zur Badener Hütte.
Aber zurück zur Kristallwand, und gleich vorweg: In den gängigen Wander- und Bergkarten sind auf den Gipfel der Kristallwand zwei Zustiege mit rot gestrichelten Linien eingezeichnet. Die erste führt in diesen Karten von einem kleinen auf ca 2910 m hoch gelegenen Plateau quasi in direkter Linie in Richtung Südwesten auf den Gipfel. Die zweite führt von dem gleichen Plateau in Richtung Nordosten in einer größeren Schleife auf den Grat, welchen man dann immer weiter auf den Gipfel folgt.
Die erste Variante (BILD 2) ist nicht mehr begehbar. Das mag vielleicht mal vor mehreren Jahren noch möglich gewesen sein, als die Gletscheroberfläche (des Frossnitzkees) ca 70 m höher war als heute. Aber durch den starken Rückgang des Gletschers ist nur mehr die zweite, „lange“ Variante möglich.
Die erste Variante ist durch den permanenten Steinschlag, große Spalten, einen großen weiten Bergschrund und die substantielle Bergsturzgefahr nicht mehr begehbar.
Siehe BILD 2, wo die nicht begehbare Route mit roten x versehen ist.
BILD 3 kennzeichnet den Teil des in der Karte dargestellten Weges, welcher falsch eingezeichnet ist. Die Querung beginnt in Wirklichkeit auf ca 2910 m Seehöhe, auf einem kleinen Plateau, und NICHT wie in den Wanderkarten dargestellt auf ca 2750 m.
BILD 4 und 5 zeigen die nun NICHT mehr begehbare erste Variante. Beim Blick auf die Bilder wird jedem geübten Alpinisten klar warum. Schaut BILD 4 noch vergleichsweise harmlos auf den ersten Blick aus, so wird mit BILD 5 klar, wie gefährlich die Verhältnisse auf Variante 1 sind. Siehe auch BILD 10 dazu.
Aber zurück an den Anfang.
Von der Badener Hütte kommend, folgt ihr der Moräne entlang, vorbei an einem kleinen See, bis zu einem ca 2 m hohen großen Steinmandl, welches ziemlich genau die Seehöhe von 2800 m markiert.
Siehe BILD 12 mit dem grossen Steinmandl in 2800 m Seehöhe.
Weiter dem gut sichtbaren Steig folgend kommt ihr auf ein kleines Plateau auf einer Seehöhe von ca 2930 m. Hier steht auch ein gelbes Schild, welches den Weg weist. Inmitten der Felsblöcke und des Schuttes ist dieses gelbe Schild möglicherweise nicht so einfach zu erkennen, weshalb die Mitnahme eines Höhenmessers (Altimeters) dringend anzuraten ist. Mit diesem kann man auch bei schlechter Sicht sich gut orientieren.
Von dem genannten kleinen Plateau auf einer Seehöhe von ca 2930 m geht es nach rechts weg, in in östlicher oder nordöstlicher Richtung direkt auf den Grat zu der an einer Stelle mit lockerem Schutt leicht erstiegen werden kann.
Hier folgt man dem Grat entlang in leichter Kletterei im Schwierigkeitsgrad I – III.
Ein markanter Turm sowie andere Felsspitzen MÜSSEN nordseitig umgangen werden. Von etwaigen südseitigen Varianten wird dringend abgeraten, da mit dem substantiellen Eisverlust des Frossnitzkees die Südseite des Grates instabil und brüchig geworden ist und mit massiven Fels- und Bergstürzen gerechnet werden muss. Circa 70 Höhenmeter hat das Frossnitzkees verloren, und waren davor die Eismassen eine statische Stütze des schmalen Felsgrates auf die Kristallwand, so sind diese nun ohne die statische Unterstützung des verschwundenen Gletschereises instabil und brüchig und sehr gefährlich geworden.
BILD 6 – Überblick Aufstiegsroute mit der Querung von der 2930 m Marke zum Grat
BILD 7 - Überblick Aufstiegsroute von ca 3000 m Seehöhe auf den Gipfel der Kristallwand.
BILD 8 – in der unmittelbaren Nähe der Badener Hütte.
BILD 9 und BILD 11 - nochmals Bilder zur Querung vom Plateau in ca 2930 m Seehöhe auf den Grat.
Den Drahtseilversicherungen ist wegen ihrer Verankerung in instabile Felsblöcke nicht mehr komplett zu vertrauen. Bitte zu beachten, dass diese Drahtseilversicherungen KEINE Via Ferrata sind, sondern bestenfalls minimale Pseudo-Sicherungshilfen für eine hochalpine Gratkletterei sind. Im Grunde genommen sollte dieser Grat entweder frei oder besser mit kompletter Seilsicherung (für die welche sich nicht sicher fühlen) begangen werden sollte. Die dünnen Drahtseilversicherungen sind als Hilfestellung zu verstehen, aber nicht als Komplettsicherung einer typischen Via Ferrata. Das ist KEIN Klettersteig ! Es gibt nicht wenige Tourengeher, die mit einem Klettersteigset zum Grat kommen und sich auf die Existenz einer typischen Via Ferrata verlassen. Das ist KEINE Via Ferrata, es handelt sich um KEINEN wie üblich ausgestatteten Klettersteig. Diese falsche Annahme könnte fatal enden.
Die Gratkletterei ist nicht zu unterschätzen, man überwindet nämlich circa 250 Höhenmeter auf diesem Grat und es gibt keinerlei Rückzugsmöglichkeit als über den Aufstiegsweg wieder umzukehren. Die Gratkletterei beginnt bei ca 2970 m und endet bei ca 3200 m. Schwierigkeitsgrad II ist weit verbreitet, und es gibt zwei bis drei kurze Stellen, die ich doch eher mit Schwierigkeitsgrad III bewerten würde.
Ab Gratende ist dann das leichte Geröllfeld bis zum Gipfel noch zu überwinden (circa 100 Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz).
Abstieg wie über den Aufstieg.
Alternativ kann über die Gletscher abgestiegen werden, was allerdings eine komplette Gletscherausrüstung benötigt (Seil, Eispickel, Schneehaken, Eisschrauben !!, Steigeisen, etc). Achtung, große Spalten sind zu queren, vielen Schneebrücken ist wegen der geringen Schneehöhe selbst im Frühsommer nicht zu trauen. Dazu ist die große Steinschlaggefahr von den Bergflanken mit ein zu kalkulieren. Ein komplett unberechenbares Risiko sind auch die zahllosen Stein- und Felsblöcke, welche auf der Gletscheroberfläche liegen und sich jederzeit in Bewegung setzen und abrutschen können und eine lebensbedrohliche Gefahr für die Bergsteiger darstellen..
BILD 13 – Blick talauswärts Frossnitztal Richtung Osten.
BILD 14 – für Liebhaber der Geologie und Mineralien: Blick auf die Felswände gegenüber der Badener Hütte. Nahezu reines Eisenerz in großen Bändern an der Basis. Bergkristalle, sowie Kupfermineralien mit Goldeinlagerungen sind häufige Funde nicht nur in diesen Wänden sondern im gesamten Frossnitztal. Wer weiss wo zu suchen im Frossnitztal, wird häufig Gold finden.
BILD 15 – Blick auf den Gipfel der Kristallwand, rot eingezeichnet die Aufstiegsroute.
Hier sind noch Links zu Flugaufnahmen der Route, welche einen guten Überblick gewähren.
VIDEO 1: youtu.be/9rT8RWZ-xjM
VIDEO 2: www.facebook.com/1445456649/videos/11...
VIDEO 3: youtu.be/ZxfphIa6ND4
Ich hoffe, dass diese Beschreibung euch eine Unterstützung ist und mehr Klarheit bezüglich des Aufstieges angesichts der komplett veralteten Routenbeschreibungen bringt.
Dr. Guido DeMedici

via Gletscher
Badener Hütte 2606 m
Gute Bergschuhe und Skistöcke. Wer Schwierigkeitsgrad II - III (Kürze Passagen) nicht frei gehen kann, Seil und mobile Sicherungselemente mitnehmen.
Siehe detaillierte Warnungen in der Beschreibung
Nach Matrei in Osttirol. Vom Parkplatz Gruben in ca 1100 m zum Ausgangspunkt auf Badener Hütte 2606 m
bis Matrei in Osttirol
Parkplatz in Gruben an der Felbertauern Bundesstrasse.
Siehe Hinweise in der detaillierten Beschreibung
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