Der Wald an sich, die unterschiedlichen Bäume, das Gewirr ihrer Äste, der Duft der Nadeln und Blätter, das eigentümliche Rauschen, ... wecken sie nicht unwillkürlich ein religiöses Gefühl im Menschen!? ("Bäume waren die ersten Tempel der Menschen" - Plinius)
Inhalt und Symbolik
Eine Kapelle der anderen Art, eine kühne Holzkonstruktion, eine Herausforderung für jeden Zimmermann. Das Fundament hat die Form eines Dreiecks. Die Pechscharten werden in Dreiecksform in das Holz eingezogen; und das Dreieck ist ein altes Symbol für den dreifaltigen Gott.
Das Bauwerk hat 3 Seiten:
1. Hinteransicht der Kapelle im Winterdie Bildwand: Das Bild im harzfarbenen Kunstglas entstand durch Überlagerung der Portraits verschiedener noch lebender ehemaliger Pecher. Die gemeinsamen Züge dieser Menschen, die durch die Arbeit im Wald geprägt sind, sollen den Geist ihres Schutzpatrons (des. hl. Vinzenz) in den Tiefen der Gesichtslandschaft sichtbar werden lassen.
2. die Raumwand: ein hyperbolisches Paraboloid, gebildet aus runden Holzstehern mit einseitiger Stulpschalung.
3. der Pecherwald: Man betritt die Kapelle und ist überrascht, dass sie offen ist. Jeder spürt aber sofort wie sich dadurch der Innenraum zum großen Dom des Waldes weitet. Eine Kapelle ist für die Menschen eine Stätte der Andacht und inneren Einkehr. Sie erinnert so auch an die Pecherhütte, die dem Pecher Schutz und Zuflucht bot.
Der Eingang wurde als Enge konzipiert. Man denkt unwillkürlich an die "Schliefsteine" (vgl. das alte Grab in Alkersdorf). Die Berührung mit dem Stein wurde als heilsam empfunden; der Durchgang durch eine solche Enge vermittelte den Gedanken der Wiedergeburt, aber auch den Gedanken des Fortlebens nach dem Tod; schließlich verstand man dieses Hindurchschlüpfen als das Abstreifen der Sünden, als eine Akt der Reue. Sie finden in diesem Gebäude nur einen einzigen senkrechten Steher - er steht für den Pechbaum! Der Baum an sich gilt als Symbol des Lebens, als Symbol für die vegetative Macht, die Gott der Natur schenkte; der Harzfluß kann dies noch besonders unterstreichen. Dieser Steher trägt auch das Kreuz, das für den Christen zum "Baum des Lebens" geworden ist. Die Entwässerungsrinne an der Bildwand erinnert an den Harzfluß. Die Bildwand weist in Richtung Pfarrkirche. Wie sich die Pechscharten, die das Harz in das Pechhäferl leiten, um den Baum biegen, so biegt sich auch der Raum um die Bildwand. Der verglaste Teil am First hat die Struktur der Pecherleiter. Im Waldboden findet man ein großes "X", wirft man den Blick zurück entdeckt man auch die Buchstaben P und I. Diese 3 Buchstaben ergeben das lateinische Wort "PIX" (= Pech); in der Aufrißbetrachtung mutiert das PIX zu "PAX" (= Friede; Friede den verstorbenen Pechern, denen dieses Denkmal auch gewidmet sein soll). Im Griechischen steht das X für "CH" und das P für "R". Die beiden Buchstaben bilden zusammen das hristusmonogramm.